Von Merten Giesen auf Montag, 27. Juli 2026
Kategorie: Blog

Mikikaiwazaru – die drei weisen Affen in einer Figur

Eine pinke VR-Brille vor den Augen, Kopfhörer auf den Ohren und ein Smartphone in der Hand: Mikikaiwazaru überträgt das bekannte Motiv der drei weisen Affen in die digitale Gegenwart.

Die traditionellen Affen heißen Mizaru, Kikazaru und Iwazaru. Einer hält sich die Augen zu, einer die Ohren und einer den Mund. Sie stehen ursprünglich für die Aufforderung, nichts Böses zu sehen, zu hören oder zu sagen. Im westlichen Sprachgebrauch wird das Motiv jedoch oft kritischer verstanden: als Sinnbild für Wegsehen, Weghören und Schweigen.

Bei Mikikaiwazaru verschmelzen alle drei Affen zu einer einzigen Figur. Die Hände werden dabei durch moderne Technik ersetzt:

Die VR-Brille verdeckt die unmittelbare Wirklichkeit.
Die Kopfhörer schirmen die Figur von ihrer Umgebung ab.
Das Smartphone bindet ihre Aufmerksamkeit und ersetzt den direkten Austausch.

Der Name Mikikaiwazaru ist eine moderne Wortschöpfung aus Bestandteilen der traditionellen japanischen Formen:

mi- verweist auf das Sehen,
kika- auf das Hören,
iwa- auf das Sprechen,
-zaru auf die Verneinung.

Sinngemäß bedeutet der Name daher:

Derjenige, der nicht sieht, nicht hört und nicht spricht.

Mikikaiwazaru ist kein überlieferter japanischer Begriff, sondern ein bewusst erfundener Kunstname. In Katakana kann er als ミキカイワザル geschrieben werden.

Die Figur ist dabei nicht einfach als Kritik an Technik gemeint. Kopfhörer, Smartphones und virtuelle Welten können informieren, verbinden und neue Möglichkeiten schaffen. Sie können aber auch zu Schutzschildern werden, hinter denen wir unsere Umgebung ausblenden.

Mikikaiwazaru stellt deshalb eine einfache Frage:

Wie viel von der wirklichen Welt nehmen wir noch wahr, wenn wir ständig mit einer anderen verbunden sind?

Disclaimer:
Alle Bilder stehen unter CC-BY-SA Lizenz.
@mertengiesen, 2026